REDAKTION

 
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Anette Müller,
Bernd Leibig,
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Layout und Korrektur:
 
Barbara Fischer,
Sabine Gottmann

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(Psychologischer Club Basel)
Volker Münch
(CGJ-Gesellschaft München)
Dieter Schnocks
(CGJ-Gesellschaft Stuttgart)
Dr. Andreas Schweizer
(Psychologischer Club Zürich)
Dr. Dörte Wrede
(CGJ-Gesellschaft Hamburg)

Verlag Opus Magnum


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opus-magnum® veröffentlicht digitale Dokumente aus allen Bereichen der Wissenschaft, Kunst und Religion, die sich einer Förderung der Huma­nität, der Individuation, der Lebenskultur und der schöpfe­rischen Lebensgestaltung verpflichtet fühlen.
Heft-Nr. 26: Woher kommt die Zukunft Drucken E-Mail
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Heft Nr. 26  •  August 2011

Schwerpunkt:
Woher kommt die Zukunft?

Leseprobe:

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist vermutlich richtig, dass es vor allem die intuitiven Menschen sind, die sich besonders für die Analytische Psychologie interessieren, denn keine andere Psychologie und Therapieform bietet dem Intuitiven soviel Frei- und Spielräume. Zwar hat die Analytische Psychologie ein Janus-Gesicht, wie die Psyche auch: Sie schaut in ferne Vergangenheit, fragt nach den archetypischen, evolutionären Aspekten der Psyche, sie schaut aber auch genauso fasziniert und forschend in die Zukunft. Sie weiß, dass genau dieses Unbewusste, dieses Selbst, das seinen Ursprung viele Millionen Jahre zurück hat, in diesem Augenblick gegenwärtig unser Verhalten und Erleben bestimmt und zugleich die Quelle alles Schöpferischen in der Zukunft ist.

Unser Leben ist ja dasselbe, wie es seit Ewigkeiten war. Es ist jedenfalls in unserem Sinne nichts Vergängliches, denn dieselben physiologischen und psychologischen Prozesse, wie sie dem Menschen seit Hunderttausenden von Jahren eigneten, dauern immer noch an und geben dem inneren Gefühl tiefste Ahnung einer «ewigen» Kontinuität des Lebendigen. Unser Selbst als ein Inbegriff unseres lebenden Systems enthält aber nicht nur den Niederschlag und die Summe alles gelebten Lebens, sondern ist auch der Ausgangspunkt, der schwangere Mutterboden alles zukünftigen Lebens, dessen Vorahnung dem inneren Gefühl ebenso deutlich gegeben ist, wie der historische Aspekt.
(C. G. Jung, GW 7, § 303)

Nach Auffassung mancher heutiger Wissenschaftler kennt die Evolution keine Gerichtetheit auf ein bestimmtes konkretes Ziel hin, aber dennoch gibt es ganz offensichtlich eine starke schöpferische Dynamik in vielen Menschen, insbesondere eben den intuitiven. Etwas treibt sie nach vorn, in die Veränderung, in die Zukunft, lässt sie hoffen und sehnen und sich neue Perspektiven ausgestalten. Sie sind mit dem Alltäglichen, schon Bekannten und Gegebenen nicht zufrieden, sie suchen nach dem, was noch möglich sein könnte.

Fast allen schöpferischen Menschen ist dabei evident, dass sie auf das Neue und Schöpferische keinen beliebigen Zugriff haben, sondern dass sie immer wieder auf unbewusste inspirative und intuitive Impulse (Ahnungen, Einfälle, Eingebungen, Fantasien, Träume, Visionen, „Offenbarungen", „Erleuchtungen", innere Stimmen, den „inneren Daimon", die „selige Sehnsucht") angewiesen sind.

Dieses Unbewusste als „Ort" des Heilenden, Ganzmachenden, Schöpferischen zu nutzen, spielt dementsprechend in der Individuation und im psychotherapeutischen Prozess, so wie sie die Analytische Psychologie idealerweise anstrebt, eine große Rolle. Zum einen achtet sie auf die kompensatorischen und prospektiven Signale, und sie sucht die Ressourcen der Klienten in den Sehnsüchten, Wünschen, Fantasien und Träumen zu finden. Zugleich regt sie deren kreative Fähigkeiten durch Malen, Spielen, Imaginieren usw. an, also die sog. „transzendente Funktion", die Bewusstes mit Unbewusstem verbindet. Woher kommt also die Zukunft des Einzelnen wie der Gesellschaft? Sie kommt sicher, wenn wir nur die humanen Einflüsse berücksichtigen, zum ganz großen Teil aus den unbewussten Motivationen und Energien der Psyche des Menschen, die sich positiv oder auch destruktiv manifestieren können, je nachdem, wie wir zum Unbewussten eingestellt sind und wie wir fähig sind, mit ihnen umzugehen. Diesen Gefahren und Möglichkeiten ist dieses Heft gewidmet. Zugleich sollen die zahlreichen Zitate von C. G. Jung, die Sie ganz besonders in diesem Heft finden werden, daran erinnern und bewusst halten, wie revolutionär und zukunftsweisend die vom ihm begründete Analytische Psychologie auch heute noch ist, genau 50 Jahre nach seinem Tod.

In den jetzigen sehr schwierigen, aber auch sehr aufregenden Krisen- und Wendezeiten wünschen wir Ihnen Hoffnung und Vertrauen auf die schöpferischen und selbstregulativen Kräfte des individuellen wie kollektiven Unbewussten.


Ihre
Anette und Lutz Müller

die vielen spielerisch-kreativen Methoden. Dennoch
gibt es nur sehr wenige positive Äußerungen
zum Glücksbegriff oder zur Freude bei
Jung.
In einem Interview antwortete Jung auf die
Frage, was nach seiner Ansicht die Voraussetzungen
zum Glücklichsein sind:
„1. Eine gute körperliche und geistige Gesundheit.
2. Gute persönliche, nahe Beziehungen wie
z. B. in der Ehe, in der Familie, und in Freundschaften.
3. Die Fähigkeit, das Schöne in der Kunst
und der Natur wahrzunehmen.
4. Angemessene Lebensbedingungen und
eine befriedigende Arbeit.
5. Eine philosophische oder religiöse Weltanschauung,
die einem helfen kann, mit den
Schwierigkeiten des Lebens erfolgreich zu
Rande zu kommen.“ (Jung, Gespräche mit
C. G. Jung, 1986, S. 313)
Damit benennt Jung durchaus einige der
grundlegenden Faktoren, die auch von modernen
Glücksforschern als zentral bezeichnet
werden. Er ist aber sehr zurückhaltend, was
ein aktives Anstreben und dauerhafteres Erreichen
von Glückszuständen angeht und betont,
dass Leiden und Glück ein dem Leben notwendiges
Gegensatzpaar sind.
„Selbstverständlich kann es ohne Leiden kein
Glück geben. Der deutsche Philosoph Schopenhauer
sagte, Glück sei nur das Ende des
Leidens. Das ist eine etwas negative Definition.
Insofern Leiden ein sehr realer Zustand ist,
muß Glück ebenso real sein. Aber bedauerlicherweise
können die beiden nicht ohne einander
bestehen. Sie sind so eng verbunden,
daß Glück leicht in Leiden umschlägt, wie umgekehrt
intensivstes Leiden eine Art übermenschlichen
Glücksgefühls hervorrufen kann.
Sie bilden ein dem Leben unerlässliches Gegensatzpaar.“
(Jung, Briefe 1, S. 313)
„Alle Faktoren, die man gemeinhin als glückbringend
betrachtet, können unter bestimmten
Umständen das Gegenteil hervorbringen.
Selbst die idealsten Voraussetzungen sind
keine Garantie für das Glück. Eine vergleichsweise
kleine Störung im biologischen oder seelischen
Gleichgewicht kann genügen, um das
Glück zu zerstören. Weder eine gute Gesundheit,
noch günstige finanzielle Verhältnisse,
noch ungetrübte Familienverhältnisse können
einen z. B. vor unsäglicher Langeweile bewahren
- vor einer Langeweile, bei der sogar eine
Veränderung der Verhältnisse, durch eine nicht
zu schlimme Krankheit ausgelöst, eine willkommene
Abwechslung wäre.“ (Jung, Gespräche
mit C. G. Jung, 1986, S. 314 f)
Diese polare Sichtweise von Glück und Unglück
hat aber dennoch dem Glückserleben in
Jungs Werk nur wenig Raum eingeräumt, wenn
man davon absieht, dass die Individuation für
ihn das höchste Glück darstellt (vgl. Zitat S. 8)
Unter den deutschsprachigen Autoren der
Analytischen Psychologie sind es insbesondere
Verena Kast (z. B. Freude, Inspiration,
Hoffnung, 1991), Lutz Müller (z. B. Trotzdem ist
die Welt ein Rosengarten, 1996, 2010) und Riedel
(z. B. Geschmack am Leben finden, 2004),
die in ihren Büchern immer wieder auch die
positiven Aspekte des Lebens in den Mittelpunkt
stellen. Verena Kast hat beispielweise
empfohlen, neben der üblichen Krankheitsanamnese
auch eine Glücks- und Freudenanamnese
zu erheben und diesbezüglichen Tabuisierungen
und Hemmungen therapeutisch
aufzuarbeiten.
Gleichwohl entsteht der Eindruck, dass die
Analytische Psychologie im Hinblick auf den
bewussten Einbezug von Glücks- und Wohlfühlfaktoren
in ihr Persönlichkeits- und Behandlungskonzept
noch einigen Nachholbedarf
hat. Dabei sind wir überzeugt, dass dies
rasch und mühelos gelingen kann, weil die
Grundausrichtung der Analytischen Psychologie
schon immer ganzheitlich, kreativ, final-prospektiv
orientiert ist.
Wir würden uns freuen, wenn es den Autoren
dieses Heftes gelingen würde, auch in Ihnen
Hoffnung und Begeisterung dafür zu wecken,
dass Dankbarkeit, Freiheit, Liebe, Freude,
Glück, Humor und schöpferisches Leben Werte
sind, für die es sich lohnt, zu leben.
Ihre Anette und Lutz Müller
 

INHALTSÜBERSICHT


  • EDITORIAL
    SCHWERPUNKT:

    WOHER KOMMT DIE ZUKUNFT?
    (Leseprobe s. u.)
  • Theodor Seifert
    Gespaltene Seele – gespaltene Welt
    Analytische Psychologie und Zukunftsfähigkeit
  • Lutz und Anette Müller
    „Ich habe mich damit abgefunden, posthum zu sein“
    Über einige immer noch revolutionäre Perspektiven der
    Analytischen Psychologie
  • Margarete Leibig
    Die Zukunft der Kinder findet jetzt statt
    Gegenwart und Zukunft im Erleben von Kindern und Jugendlichen
  • Rolf Kaufmann
    C. G. Jung träumte die Zukunft
  • Willy Obrist
    Tiefenpsychologie –
    ein zukunftsweisender neuer Typus empirischer Wissenschaft

  • Volker Münch
    Globalisierung
    Zwischen Individualisierung und kollektiver Entgrenzung
  • Gerhard Heydt
    Wie Träume helfen
    Entwicklungsimpulse aus dem Unbewussten
  • Joachim Jung
    Ich will den Menschen die Ruhe wiedergeben: Friedrich Nietzsche
  • Wolfgang Banzhaf
    Im Einklang mit dem DAO
    Leib und Seele in der chinesischen Medizin
  • Claus Riemann
    Steht es in den Sternen?
    Das Radixhoroskop als Orientierungshilfe auf der Selbstfindungsreise


    C. G. JUNG – 50 JAHRE NACH SEINEM TOD
  • Murray Stein
    Das Rote Buch
    Auf der Suche nach dem Weg – Jung in der Lebensmitte


    FÜR SIE GESEHEN
  • Volker Münch
    Avatar – Die unüberwindbare Natur
    Ein nicht nur technisches Meisterwerk von James Cameron

    BERICHTE
  • Elisabeth Schörry-Volk
    50 Jahre DGAP – Jahrestagung 2011 in Köln

AKTUELLE AUSGABE


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Heft Nr. 26 • August 2011
Hinweis für den Buchhandel (Libri): Jung Journal 26 • Forum für Analytische Psychologie und Lebenskultur • (Broschiert) von Dr. Lutz Müller (Herausgeber) • ISBN: 978-3-939322-26-9
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